Dichtungsring 57 – Ausschreibung

Ach – Es gibt Momente, wo ich finde daß die Sprache noch gar nichts ist

Die Informationen, Überlegungen und Vorschläge dieses Exposés sind als Anregungen zu verstehen, als Impulse zur eigenen Reflexion, Introspektion und zur Textgestaltung. Jedem Autor, der zu unserem vielfältigen und vielschichtigen Thema schreiben will, werden in diesem Sprachlabyrinth Pfade angeboten, denen er folgen kann.

Ach – Es gibt Momente, wo ich finde daß die Sprache noch gar nichts ist“ (Ludwig van Beethoven: „An die unsterbliche Geliebte“, 1812)

Je mehr Beethoven versucht, in diesem Brief seine übervolle Seele auszuschütten, desto deutlicher merkt er, wie Worte hinter seinen überschwänglichen Gefühlen herhinken und die Sprache an ihren Grenzen stößt.

Warum dieses Zitat? Als Würdigung des berühmten Sohnes der Stadt Bonn zu seinem 250. Geburtstag im Jahr 2020, aber auch wegen der sich dadurch bietenden Gelegenheit, das Thema Sprache aufzugreifen, ein Thema, das nicht nur hochkomplex ist, sondern eine besondere Bedeutung in der und für die Literatur hat.

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Reflexionen über die Sprache, mit dem Ziel, tiefer in ihr Wesen einzudringen, sich noch mehr Überblick zu verschaffen und mögliche Impulse und Ideen zum eigenen Text (Gedicht, Kurzgeschichte, Romanausschnitt, Theaterszene, Kurzessay, Journal, Hybridformen etc.) und Bilder, Collagen, Kalligraphien etc. dadurch zu erhalten.

Was ist die Sprache? In Betracht ziehen: sprachwissenschaftliche Theorien, Thesen, klassische und moderne Definitionen, Erläuterungen zur Entstehung der Sprache und zu ihrer Bedeutung und Funktion. Soziale Dimension der Sprache. Kulturgut. Modellen, Kategorien. Persönliche Auseinandersetzungen, Erfahrungen mit den Fähigkeiten und Reichtümen der Sprache.

Sprache und Leben. Der Mensch lebt in der Sprache (Humboldt). Orientierung durch die Menschensprache. Wortvariationen und Assoziationszentren. Spracherneuerung.. Wortschöpfung, Experiment.

Die sprachlose Welterkenntnis der Tiere. Andere „Botschaften“ (Vögel, Bäume, Wind, Regen etc.) .

Modelle der Kommunikation (musikalisch, gestisch und lexikal). Ursprache, Lautsprache und Körpersprache. Organsprache (unbewusste Botschaft des eigenen Körpers).Gebärdensprache. Muttersprachen und Universalsprachen. Naturliche und künstliche Sprachen. Mundarten, Jargons. Sprachen der Welt.

Die Veränderung der Sprachen. Die Sprachmischung. Der Verfall /das Aussterben von Sprachen und Dialekten..

Schriftsprache und schriftlose Lautsprache. Visuelle und konkrete Poesie, Lautgedichte. Bedeutung des Buchdrucks..

Sprache ist Metapher. Lautsprache (konventionelle Zeichen der metaphorischen Klangnachahmungen der Natur) und Bildersprache (unmittelbare Nachahmungen konkreter Gegenstände). Von der bewussten Metapher des Dichters zur unbewussten Metapher der Gemeinsprache.

Die Kindersprache. Unbewusste Personifizierungsbedürfnis.

Sprache und Denken, Wirklichkeit und Sinn. Konkrete und abstrakte Sprache. Ideen und Zweckbegriffe. Konzept und Umsetzung (Informatik).

Zusammenhang zwischen Sprache und Innenwelt, sinnliche Erfahrung der Sprache.

Sprachliche Grenzen in der Kommunikation. Defizite, Negativzüge der Sprache: Bedeutungswandel durch Erweiterung des Begriffs (Folge: Verflachung von Grundbedeutung der Worte). Bildermischmasch. Lustige und öde Vergewaltigungen der Sprache. Wippchen; Die Erfindung der Schrift. Negativfolge: die schlechte Literatur. Jeder glaubt, das Zeug zum Schriftsteller zu haben.

Die eigenen Erfahrungen mit den Schranken, Hindernissen und Unzulänglichkeiten der Sprache:

Mißlungene Kommunikation. Beliebigkeit, Unverständlichkeit, Barrieren zwischen den Sprechern verschiedener Nationen. Die Unfähigkeit bzw. Unwille zur Verständigung,

Aus den Fugen geratene Kommunikation..Extreme Aspekte der Erfahrung emotionalen Leidens. Ausuferung. Suspense. Pathologische Fixierungen. Ohnmacht der Sprache. Abbruch. Erlöschen der Funktion.

Sprache und Macht. Unterdrückungsmechanismen.

Das Verhältnis von Sprache und Schweigen. Lautes, lautloses oder leises Selbstgespräch in der Kindheit und als Erwachsene. Selbstgespräch als Ausdruck der Verlorenheit und des inneren Exils, der größten Einsamkeit (siehe Gottfried Benn)

Sprachlosigkeit und Stille. Angsterstickte Leere der Sprachlosigkeit und wiederum eine sprachgesättigte, sinnerfüllte, vertrauensvolle Stille. (Ulla Hahn).

Sprachkritik. Sprache verfälscht die Erkenntnis durch das Anthropomorphe und Metaphorische der Worte und Begriffe. Das höchste Ziel wäre Befreiung von der Sprache, reine Schauung der Wirklichkeit. (Franz Mauthner: „Beiträge zu einer Kritik der Sprache“)

Beethoven würde es vielleicht begrüßen. Denn er spürte, wie die Kommunikation nach außen allmählich versagte. Nur seine innere Stimme half ihm, sein schweres Schicksal in Musiksprache umzuwandeln. Sehr zutreffend schrieb darüber Victor Hugo: „Diese seltsame Musik ist eine Ausdehnung der Seele ins Unaussprechliche. Drin singt der blaue Vogel. Der schwarze auch …“

Anmerkung der Redaktion: DR57 soll zwar keine ‚Beethoven-Nummer‘ im Sinne konventioneller Jubiläumswürdigungen werden, doch sind diverse Bezüge zu Beethoven in den Beiträgen durchaus möglich. 

Herausgeber dieser Ausgabe ist Francisca Ricinski

Texte aller Gattungen im Umfang von bis zu fünf Seiten (Schriftgröße 12, 1,5 Zeilen Abstand, editierbares Format) bitte bis zum 15. Februar 2020 an redaktion@dichtungsring-ev.de einsenden. Außerdem benötigen wir eine Kurzbiobibliografie und die Postanschrift der Autorinnen und Autoren. Hinweis: Diese Ausgabe ist keine Wettbewerbsausgabe, deshalb ist die Seitenbegrenzung als Richtwert zu verstehen. Geringfügige Überschreitungen sind also kein Ausschlusskriterium.

Wichtig

Die Autoren und Autorinnen stimmen mit der Einsendung ihrer Texte dem Folgenden zu:
– der Veröffentlichung der eingesandten Texte in der Frühjahrsausgabe der Literaturzeitschrift „Dichtungsring“ und auf der Homepage des Dichtungsrings. Die Rechte am Text verbleiben beim Autor.
– der Veröffentlichung von Namen und Kurzbiographien der ausgewählten Autorinnen und Autoren.
– dem Ton- und Bildmitschnitt der öffentlichen Lesung und der Verwendung des Mitschnittes durch den Dichtungsring e. V., Bonn, seiner Kooperationspartner und Medien (es fand in der Vergangenheit Berichterstattung in der Lokalpresse und im Lokalradio statt).
– Die Autorin bzw. der Autor bestätigt mit der Einreichung, dass der Text von ihr/ihm stammt und frei von Rechten Dritter ist.

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